Sachsen-Anhalt
Im Osten viel Neues
Zwei Tage lang diskutierten Expertinnen und Experten bei der von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung initiierten Tagung „Ostdeutsche Kunst: Bestandsaufnahme und Perspektiven“ in der Leopoldina und im Kunstmuseum Moritzburg in Halle (Saale) über die Kunstlandschaft Ostdeutschlands von 1945 bis 1990, ihre Wahrnehmung und ihre Zukunft. Die Tagung gab wichtige Impulse für einen sachlichen, gesamtdeutschen Diskurs und warf die Frage auf, wie ostdeutsche Kunst künftig sichtbarer, vielfältiger und gleichberechtigt in Museen und Sammlungen verankert werden kann.

Mehr Sichtbarkeit für ostdeutsche Kunst
„Mehr als 240 Anmeldungen aus dem In- und Ausland und die große Nachfrage machen deutlich, dass wir mit dem Thema ostdeutsche Kunst am Puls der Zeit sind. Dabei bewegt mich vor allem das wachsende Interesse junger Menschen an diesem Thema“, so Ludger Weskamp, Vorsitzender des Vorstands der Ostdeutschen Sparkassenstiftung. „Ein Weg zum Verständnis der Menschen in Ostdeutschland und ihrer Geschichte führt über ostdeutsche Kunst. Hier gibt es noch viel zu entdecken und zu erforschen. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung wird daher Projekte und Veranstaltungen in diesem Bereich weiter fördern.“
Am 14. und 15. September 2023 in Halle (Saale) diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Museen, Kunst, Politik und Gesellschaft bei der Tagung „Ostdeutsche Kunst: Bestandsaufnahme und Perspektiven“ über die Wahrnehmung und Zukunft ostdeutscher Kunst. Im Mittelpunkt standen Fragen nach ihrer Einordnung, Sichtbarkeit und Präsentation in einem gesamtdeutschen Kontext. Nach Jahren polarisierender Debatten, die unter anderem vom „deutsch-deutschen Bilderstreit“ geprägt waren, hat sich die Auseinandersetzung inzwischen versachlicht. "Nun kommt es darauf an“, so Paul Kaiser, Direktor des Dresdner Instituts für Kulturstudien, „das Thema der ostdeutschen Kunst in einem überregionalen Kontext perspektivisch neu auszurichten.“
Erste Erfolge sind bereits spürbar: Ostdeutsche Fotografie, Malerei, Grafik und Skulptur wird in Kultur, Politik und Gesellschaft verstärkt wahrgenommen und positiv belegt. Dabei richtet sich das Interesse inzwischen auch auf die seit 1989/1990 bis heute entstandenen Werke. Die Tagung bot eine öffentliche Plattform für den fachlichen Austausch und setzte Impulse für eine neue Qualität der Auseinandersetzung mit ostdeutscher Kunst. Thomas Bauer-Friedrich, Direktor des Kunstmuseums Moritzburg in Halle (Saale), zeigte sich mit den Impulsen höchst zufrieden: „Die Tagung hat konstruktiv den Blick zurück nach vorn geöffnet und neben Positionsbestimmungen Fragen nach Begrifflichkeiten, Kanon und Betrachtungsperspektiven gestellt."
Forderung: Ankaufsbudgets für ostdeutsche Kunst bereitstellen
Die Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker forderten Bund und Länder auf, Ankaufsbudgets für ostdeutsche Kunst von 1945 bis 1990 bereitzustellen, um Lücken in den Sammlungen zu schließen. Zugleich appellierten sie an die Kunstmuseen Ostdeutschlands, stärker zusammenzuarbeiten und ihre – teils noch nicht öffentlich gezeigten – Bestände zu nutzen, um ostdeutsche Kunst gleichberechtigt und in ihrer Vielfalt zu präsentieren.
„Uns geht es darum, einen Anstoß zu einem sachbezogenen Diskurs zu geben, der die Herausforderungen des Struktur- und Generationenwandels in Ostdeutschland in realistischer Weise mit einbezieht“, erklärt Patricia Werner, Geschäftsführerin der Ostdeutschen Sparkassenstiftung. „Neben der bewährten Förderung von Projekten wollen wir mit dieser Konferenz der ostdeutschen Kunst insgesamt mehr Sichtbarkeit in einem größeren, gesamtdeutschen Kontext geben und mit unserem Engagement dabei unterstützen, bestehende Vorurteile zu überwinden.“
