Einweihung der Max-Uhlig-Fenster in der Magdeburger Johanniskirche

Letzter Baustein des Wiederaufbaus wird mit Förderern, Stiftern und dem Künstler festlich begangen

Magdeburg, 16.09.2020. Ein Kunstwerk von einzigartiger Dimension wird feierlich eingeweiht: Die Vollendung des weltweit einmaligen Glasmalerei- Zyklus‘ von 14 Fenstern – geschaffen von dem international renommierten Dresdner Künstler Max Uhlig für Magdeburgs Bürgerkirche St. Johannis. Neben dem Minister für Kultur und Chef der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt, Rainer Robra, werden der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Magdeburg, Dr. Lutz Trümper,
und Patricia Werner von der Geschäftsführung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung das Werk von Max Uhlig würdigen.

Die heute als eine der ersten Adressen der Stadt bekannte Johanniskirche hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Die älteste Kaufmannskirche der Stadt überdauerte zuletzt die Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg als Ruine und Mahnmal der Zerstörung. Der Wiederaufbau als Konzert- und Veranstaltungssaal, welcher nach der politischen Wende 1991 begann, wird nun mit der künstlerischen Gestaltung der gotischen Fenster des Langhauses und des Chores abgeschlossen.

Max Uhlig setzt eine monumentale Landschaft auf der Südseite einem aufstrebenden schwarz-weißen Liniengeflecht entgegen. Jedes der 14 Fenster ist über 12 Meter hoch. 330 Quadratmeter Kunst auf mundgeblasenem Glas. Tausende Einzelteile wurden nach dem vom Künstler vorgegebenen Schnittmuster zusammengesetzt und verbleit.

Doch die Einzigartigkeit liegt nicht allein in der Dimension. Auch der Herstellungsprozess ist mit nichts vergleichbar. Denn anders als bei ähnlichen Werken zeitgenössischer Glasmalerei führte der inzwischen 83 Jahre alte Künstler den Pinsel aus eigener Hand. Die traditionsträchtigen Derix Glasstudios aus dem hessischen Taunusstein, welche sich „Päpstliche Hofmalerei“ nennen dürfen, berieten Max Uhlig bei der Ausführung.

Von der ersten Idee bis zur Realisierung ist ein Jahrzehnt vergangen. Ein beispielhaftes Zusammenspiel aller Akteure, auch in der Finanzierung der benötigten 1,4 Mio. Euro – ausgehend von der ersten Spendeninitiative des Altoberbürgermeisters Dr. Wilhelm Polte.

Die Aktion „Mein Fenster für die Johanniskirche“, die mit Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Stadtsparkasse Magdeburg Ende 2013 zur Initialzündung wurde, hat nicht nur die Menschen der Stadt an dieses Projekt glauben lassen, sondern darüber hinaus weitere Fördermittelgeber von der großen Bedeutung und Symbolik des Projektes überzeugt. So konnten letztlich mehr als eine dreiviertel Million Euro an Fördermitteln eingeworben werden. Der größte Einzelförderer war die Ostdeutsche Sparkassenstiftung selbst, die das Vorhaben gemeinsam mit der Stadtsparkasse Magdeburg mit einem hohen sechsstelligen Betrag unterstützt und über die Jahre auch ideell in enger Partnerschaft mit dem Künstler begleitet hat. Neben der Lotto-Toto Sachsen-Anhalt GmbH standen das Land Sachsen-Anhalt und die Kunststiftung Sachsen-Anhalt als Förderer an der Seite des Kuratoriums.

Es ist umso bedauerlicher, dass die Fertigstellung der Fenster, wie viele andere Ereignisse, in die Zeit der Corona-Pandemie fällt. Das Kuratorium für den Wiederaufbau der Johanniskirche sieht als Projektträger hierin allerdings auch eine Chance. Dr. Dieter Scheidemann, Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins, meint hierzu: „Die Entscheidung, eine Live-Übertragung des Festaktes zu organisieren, eröffnet uns neue Möglichkeiten, die Menschen überall zu erreichen.“

Erstmals wird auch die 30-minütige projektbegleitende Filmdokumentation „Aus Licht und Schatten“ gezeigt. Die Autorin Natascha Pflaumbaum erzählt die Geschichte hinter dem Werk und lässt wichtige Akteure zu Wort kommen. Die Dokumentation ist hier zu finden: https://kuratoriumjohanniskirche.wordpress.com/herzlich-willkommen/film/

Für alle die, die Haptik und Geruch von frisch bedrucktem Papier lieben, wird es einen Katalog geben. Die Publikation erscheint zweisprachig im Hirmer Verlag und schafft somit die Möglichkeit, Max Uhligs Fenster auch in der internationalen Kunstwelt langfristig zu verankern. Die Texte der Kunstwissenschaftler Matthias Flügge, Dr. Annegret Laabs und Uwe Geller verorten das Projekt im Kontext der internationalen Glasmalerei als eines der größten und wichtigsten der Gegenwart. Der in den neuesten Druckverfahren hergestellte Katalog zeigt mit grandiosen Fotos von Hans-Wulf Kunze die ganze Farbenpracht der Malerei und enthält ein sehr persönliches und spannendes Interview, welches Dr. Annegret Laabs im Juni mit dem Künstler führen konnte.

Der Katalog kann ab Mitte September im Buchhandel für 29,90 € erworben werden.